Sektorenübergreifendes Rahmenkonzept für die Energiewende

Schon seit längerem kritisieren Energieexperten, dass die öffentlichen Diskussionen um die Ausgestaltung der Energiewende stark auf den Stromsektor fokussiert sind. Dabei ist längst klar, dass auch im Wärme- und Verkehrsbereich umgesteuert muss, um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen.

Das ist der – etwas vereinfacht – der Hintergrund für die im sog. „Weißbuch – Ein Strommarkt für die Energiewende“ aufgeworfene Frage nach der Ausgestaltung des „zukünftigen Handlungsfelds der Sektorkopplung“ und dem „Zielmodell für staatlich veranlasste Preisbestandteile“. Diesen Fragen hat sich das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik gestellt und in einem dreijährigen Kooperationsprojekt mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) Heidelberg nach Antworten gesucht. Die entsprechende Studie wurde im Oktober 2015 veröffentlicht.

Im Zentrum dieses Projekts „Interaktion EE-Strom-Wärme-Verkehr“  standen technische, energiewirtschaftliche, volkswirtschaftliche und rechtwissenschaftliche Fragen. Nicht nur um Schlüsseltechnologien für den Wärme- und Verkehrssektor ging es den Forschern also, sondern auch darum, welche Strategien im Sinne einer möglichst wirtschaftlichen und emissionsbezogenen Umgestaltung der Energiesektoren zielführend sind. Der 219-seitige Endbericht beschreibt Entwicklungspfade für den Verkehrs- und Wärmesektor und leitet daraus den erforderlichen Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ab. Daraus lassen sich dann wiederum Roadmaps für die Entwicklung des Wärme- und Verkehrssektors sowie den Zubau der regenerativen Wind- und Solarstromerzeugung mit den folgenden Hauptmaßnahmen ableiten:

Erhöhung der Energieeffizienz: Die Reduktion des Wärmebedarfs in Wohn- und Nichtwohngebäuden, der Prozesswärme in der Industrie, des Energieverbrauchs im Verkehr und herkömmlichen Stromanwendungen ist von hoher Bedeutung.

Power-to-Heat: Mit Elektrodenkesseln in Fernwärme und Industrie frühzeitig flexible Lasten für das Stromsystem schaffen (negative Regelenergie).

Elektrische Wärmepumpen und Elektromobilität frühzeitig und kontinuierlich durch marktseitige Anreize einführen.

Windenergie und Photovoltaik verstärkt ausbauen, um die zusätzliche Stromnachfrage aus den Sektoren Wärme und Verkehr decken zu können.

Neue Kraftwerke vorzugsweise mit Kraft-Wärme-Kopplung zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit bauen.

Elektrische Versorgungsstruktur im Verkehr ausbauen: Öffentliche Ladeinfrastruktur ausbauen um die Nutzungsflexibilität für Elektro-Pkw zu erhöhen. Oberleitungs-Infrastruktur auf Autobahnen für Elektrifizierung des Lkw-Verkehrs aufbauen.

Bioenergie vorzugsweise für Hochtemperatur-Prozesswärme, Teile der Wärmeversorgung, des Altgebäudebestands und im Flugverkehr einsetzen, wegen begrenztem Potenzial und Effizienz.
Überschussverwertung einer weit ausgebauten Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik im Wärmesektor durch Power-to-Heat sowie im Verkehrssektor durch Power-to-Gas.

Die Kurzfassung der Studie findet sich unter http://s.fhg.de/hiD. Der komplette Endbericht findet sich unter http://s.fhg.de/hj5.

 

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