Energiewende-Köpfe: Der Optimierer

Bei Bioenergie ist er irgendwie kleben geblieben, im positiven Sinn, wie Christian Schubert sagt. Für NATURSTROM arbeitet er in der technischen Betriebsführung von Biogasanlagen.

Christian Schubert mit seinem E-Auto. Foto: Jasmin Welker | Energiewende schaffen

Christian Schubert hat bei NATURSTROM eine Arbeit und ein Hobby. Sein Hobby hat zwei blaue Nüstern, vier Räder und einen Elektroantrieb. Gewöhnlich steht der BMW i3 unter einem Carport mit Photovoltaik-Anlage und saugt seinen Öko-Strom aus der Ladesäule nebenan. Christian Schubert zeigt den Besuchern von NATURSTROM gern sein Hobby. Geduldig erklärt er, wo die Batterien liegen und wie weit das Auto kommt. Er und seine Kollegen nutzen das Elektroauto für Dienstfahrten in der näheren Umgebung.

Doch die meiste Zeit sitzt Christian Schubert im Büro bei seiner „richtigen“ Arbeit. Von dort steuert der 36-Jährige die technische Betriebsführung von Biogasanlagen. Zu seiner täglichen Routine gehört das Studieren und Auswerten von Daten, die die drei Biogasanlagen, für die er zuständig ist, regelmäßig liefern. So merkt er immer zeitnah, wenn es technische Probleme gibt.

Von Zeit zu Zeit fährt er aber auch selbst zu den Anlagen. „Leider sind nicht alle Anlagen innerhalb der Reichweite des i3“, sagt Christian Schubert. Vor Ort spricht er mit den Betriebsleitern über die aktuellen Parameter der Anlage, die Umsetzung von geplanten Maßnahmen oder auch über gesetzliche Neuerungen.

Aber auch an der ständigen Optimierung der Biogasanlagen arbeitet er. Hierzu entwickelt er zum Beispiel Konzepte zur Senkung des Stromverbrauchs, zur Versorgung der Anlagen mit erneuerbaren Strom direkt vor Ort oder die Nutzung der Abwärme aus den Blockheizkraftwerken (BHKW). Daneben macht er sich beispielsweise Gedanken über eine effiziente Fütterung der Anlagen, die Gestaltung der Rühr- und Pumpintervalle oder die Temperaturführung.

Unter seiner Mitarbeit wurde das Gärrestelager einer der Biogasanlagen überdacht und der Gasspeicher verdoppelt. So kann der Speicher bei geringer Strom-Nachfrage nachts mit Biogas befüllt werden, das dann bis zu zwölf Stunden lagert. Tagsüber, wenn viele Personen Strom benötigen, kann die Motorleistung des Generators erhöht werden. „Gerade diese bedarfsgerechte Stromproduktion finde ich spannend an meinem Job. Außerdem kommt bei Bioenergie sowohl Wärme als auch Strom zusammen, sodass ich in beiden Bereichen arbeiten kann.“

Christian Schubert plant auch neue Biogasanlagen Foto: Jasmin Welker | Energiewende Schaffen

Ebenso zu Christian Schuberts Arbeit gehört das Planen von neuen Biogasanlagen oder von Erweiterungen. Den eigentlichen Bau überwacht er dann auch. Ein bisschen Allrounder zu sein, gehört zu seinem Job. „Ich mag es, dass meine Arbeit so abwechslungsreich ist. Es kommt immer etwas Neues.“

Das Arbeiten in der Biogas-Abteilung bei NATURSTROM ist recht familiär. Nur drei Leute gehören zum Team. Alle sind noch relativ jung. Alle duzen sich. „Gemeinsam haben wir einen gewissen Idealismus. Das macht die Stimmung angenehm.“

Auch Christian Schubert zählt sich zu den Idealisten. „Arbeit ist ein großer Teil unseres Lebens. Ich wollte etwas tun, was ich sinnvoll finde und womit ich mich identifizieren kann.“ Er hat Umwelttechnik/Umweltmesstechnik studiert, damals noch auf Diplom. „Als ich studiert habe, waren die Erneuerbaren noch kein Schwerpunkt. Die saubere und nachhaltige Erzeugung fand ich aber schon immer sehr spannend.“

Nach dem Studium hat er erst einmal bei einem Automobilzulieferer gearbeitet. „In die Bioenergie bin ich eher reingerutscht, aber das Gebiet hat mich begeistert.“ Sein zweiter Arbeitgeber war ein Betrieb für den Bau von Biogasanlagen. Danach war er drei Jahre bei einem Ingenieurbüro in der Entwicklung von Pilotanlagen zur Aufbereitung von Biogas zu Erdgas tätig. Seit Mitte 2011 arbeitet er nun bei NATURSTROM. Für seinen Arbeitgeber hat er sich ganz bewusst entschieden: „Mir hat es gefallen, dass ein Ökostromanbieter auch in der Erzeugung von Bioenergie tätig ist.“

Seine Arbeit macht ihm nach wie vor Spaß. Nur die ständigen Richtungsänderungen und Schwerpunktverlegungen beim Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) trüben seine Freude etwas: „Dadurch haben wir keine wirkliche Planungssicherheit mehr für den Bau von erneuerbaren Energieanlagen. Die Energiewende wird nicht – wie eigentlich nötig – als Generationenprojekt betrieben, sondern unterliegt dem politischen Tagesgeschäft.“

Seinen Job könne man auch mit einem anderen natur- oder ingenieurswissenschaftlichen Studium machen, sagt Christian Schubert. „Wie bei allem Neuen muss man sich am Anfang einfach reinarbeiten.“

*Der Artikel ist in Zusammenarbeit mit dem WILA-Arbeitsmarkt als Teil der Reihe „Köpfe der Energiewende“ entstanden. Autorin: Jasmin Welker

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